Die Existenz der Kurden im Kaukasus reicht bis in eine Zeit vor Islam, Christentum oder auch Judentum.
Kurden lebten im heutigen Aserbaidschan schon 2.000 Jahre v. Chr. Somit leben Kurden schon seit 4 Tausend Jahren in dieser Region.
Laut archäologischen Grabungen und antiken griechischen Historikern existierten kurdische Völker 2 Tausend Jahre v. Chr. im Norden und im Süden des Flusses Aras. (Das heutige “Rote Kurdistan”)
Laut des georgischen Historikers Şota Ambakoviç Mesxiya seien Kurden mindestens seit dem zehnten Jahrhundert v. Chr. Im Kaukasus beheimatet. Also noch bevor die Ravadîs dort lebten.
Auch der große georgische Historiker İvane Cavaxişvili (1876 – 1940) berichtet, dass der Familienname Mxarqrdze, der zu den wichtigsten und am weitesten verbreiteten Familiennamen in Georgien zählt, ohne Zweifel kurdischer Abstammung sei.
Die Existenz der Kurden im heutigen Aserbaidschan wird nach der islamischen Zeit auch oft durch arabische Quellen erwähnt.
Der Mihranî-Staat, welcher im sechseten Jahrhundert im Kaukasus gegründet wurde, war ebenfalls ein kurdischer Staat, der von christlichen Kurden gegründet wurde. Im Anbetracht dessen, dass die Grenzen dieses Staates von Nachitschewan bis zu weiten Teilen des heutigen Armeniens reichen, kann man sagen, dass das heutige Armenien einst ein kurdischer Staat war.
In dem heute mehrheitlich von Armeniern und Aserbaidschanern bewohnte Gebiet, bildeten vor der Unterdrückung (vor allem während der Zeit der Sowjet-Union) die Kurden die große Mehrheit der Bevölkerung. Dieses Gebiet trug den Namen “Albanya” und war ein kurdisches Land.
Ein Jahrhundert lang herrschte der Mihrani-Staat halb-unabhängig.
Nach dem Islam waren die Kurden weiterhin ansässig im Kaukasus.
Der wohl interessanteste Krieg nach der islamischen Zeit war mit Sicherheit der Krieg zwischen den aus Skandinavien stammenden Wikingern und den Kurden.
In den islamischen Quellen werden die Wikinger als “Erdmanîyyun” (ﺍﻷﺭﺪﻤﺎﻨﻴﻮﻦ), “Mecûs” (ﺍﻠﻤﺠﻮﺱ) und “Rus” (ﺍﻠﺭﻮﺱ) bezeichnet. Diese verschiedenen Bezeichnungen beruhen auf die örtliche Verteilung der Wikinger. Während die westlichen Wikinger als “Mecûs” bezeichnet werden, werden die östlichen Wikinger als “Rus” bezeichnet. Der Überbegriff für Wikinger ist “Erdmanîyyun”.
Im Jahr 913 starteten die Wikinger eine große Erkundungsreise mit 500 Schiffen in Richtung des Irans. Am östlichen Ufer des Hazar-Sees angekommen, starteten die Wikinger ihre kriegerische Eroberung in der Stadt Gurgan der Region Gulistan. Von dort aus ging ihr Schlachtzug bis nach Chorasan, wo wiederum Kurden lebten. Bei ihrer Rückkehr jedoch, wurden die Wikinger durch den Angriff von der muslimischen Bevölkerung am Hazar-See blutig niedergeschlagen.
Im Jahr 943 starteten die Wikinger eine weitere Reise. Die zu der Zeit als Hauptstadt des Deysemî-Staats (kurdischer Staat) geltende Stadt “Berde” (heute Aserbaidschan) wurde durch Wikinger erobert. Die Wikinger lebten dort für einige Monate und töteten zahlreiche Menschen.
Als die Wikinger das Gebiet um den Hazar-See angriffen, herrschten Kurden über dieses Gebiet. Der kurdische Kommandeur Deysem bin Îbrahim al-Kurdî errichtete den kurdischen Deysemî-Staat mit der Hauptstadt Berde. Die Herrschaft des Deysemî-Staates verlief von 938 bis 953.
Die zu dieser Zeit existierenden Münzen sind bis heute in Museen des Kaukasus.
Die Stadt Berde (kurdisch) liegt zwischen den Flüssen Aras und Kur. Dies war in der zu der Zeit als Arran bezeichnete Region das wichtigste wirtschaftliche Zentrum. Die Stadt lag an dem in den Kur-Fluss mündenden Tartar-Fluss und war besiedelt von Kurden. Früher wurde dieser Fluss auch “Kurdisches Elem Wasser” (kurd. Ava Kurd Elem) genannt. Der berühmte arabische Historiker Şemseddîn Ebû Abdullah Muhammed bin Ahmed bin Ebibekir el- Benna el- Şamî el- Maqdisî (945 – 91) nannte ein Tor dieser Stadt “Bab el-Akrad“ (das Tor der Kurden).
Zu der Zeit waren an der westlichen Seite des Hazar-Sees zwischen den Deysemî-kurdischen Staat und dem Wikinger-russischen Staat bulgarische und Hazar-Ansiedlungen.
Diese Ansiedlungen waren zur damaligen Zeit für den Handelstransport vom Iran und von Baghdad nach Skandinavien verantwortlich. Zur Zeit der Vikinger war der kurdische Deysemî-Staat der einzige muslimische Staat in der Region.
In der Zeit von 952 – 1172 regierte dann ein weiterer kurdischer Staat in der Region mit der Hauptstadt Gence, der zweitgrößten Stadt vom heutigen Aserbaidschan: Der Kurdische Şeddadî Staat. Dieser wurde errichtet von Muhammed kurê Şeddad kurê Kartu und stamme von dem Ravadî-Stamm ab. Der bis dato größte kurdische General Saladin hieß mit vollem Namen Melik’un- Nasr bavê Muzaffer Selahaddîn Yusuf kurê Necmeddîn Eyyubî el- Şadî el- Kurdî (1138 – 93) und stammte ebenfalls von diesem Stamm ab. Saladin ist also auch Hezbanî-Kurde aus dem Kaukasus und stammt von den Ravadîs ab.
Als die Wikinger im Jahr 943 die kurdische Hauptstadt Berde eroberten, brannten sie die Stadt nieder und hielten die Einwohner für ein Jahr als Kriegsgefangene fest. Der weltweit berühmter persischer Historiker und schiitischer Philosoph Ebû Ali Ahmed ibn-i Muhammed ibn-i Yaqub ibn-i Misgevêy Razî (932 – 1030) schreibt von diesem Ereignis mit vielen Details. So seien ihm nach bis zu 1500 kurdische Kavalleristen bei der Schlacht gegen die Wikinger eingesetzt worden. Der berühmte schwedische Historiker Ture Algot Johnsson Arne (1879 – 1965) spricht vom Kaukasus als Ort der Völker und der Kulturen. In seinen Ausführungen erwähnt er auch, dass in dieser Region Kurden lebten.
ZEITSCHRIFT ŞEVA YELDA
AUSGABE: 2
MAI 2021